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Kleine Unternehmen und die neue Ost-Konkurrenz

EU-Osterweiterung vollzogen - Was nun?

Ein Blick auf den Ost-Markt (bis Rußland) zeigt, daß die internationalen Großunternehmen alle schon da sind, sich bereits installiert und etabliert haben.
Auch hinsichtlich der mittelgroßen Betriebe hält bis heute die Welle der Neugründungen in den östlichen Beitrittsländern an. Das Entscheidende dabei ist die Kapitaldecke, die eben in mittleren Unternehmen (vor allem aus dem alten Bundesgebiet) einfach vorhanden ist. Kaufgünstige Unternehmen im Osten zu finden, ist unproblematisch, da nach einer Erhebung 20 % dieser Firmen dort schließen müssen.
Was wird nun aber mit den kleinen (sächsischen) Unternehmen, die über keine Kapitalreserven verfügen?
Eines ist schon jetzt zu sagen, die Geschäftsführung dieser Betriebe muß wirklich sehr aufmerksam unter steter Rückkopplung mit den eigenen betrieblichen Verhältnissen, alle Informationen über die Neustrukturierungen des Marktes im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erweiterung in Richtung Osten wahrnehmen, analysieren und gegebenenfalls zum Handeln bereit sein.

Kleinen Betrieben ist zu empfehlen, im Verbund mit anderen oder mit einzelnen größeren Firmen, also mit solchen, die sowieso als natürliche Partner gelten, einen eventuellen Ost-Auftritt zu erwägen. Das gilt zumindest auf der Schiene des Vertriebs eines gemeinsamen Produktes auf dem östlichen Markt. Eine Verlagerung von Produktionsstätten durch solche größeren deutschen Betriebe in Richtung Osten ist wirklich problematisch.
Ein weiterer Hinweis:

Schon einmal geknüpfte, lockere Verbindungen mit osteuropäischen Firmen, die bezüglich einer Zuarbeit von einfachen Teilprodukten in Frage kommen könnten, sollten wieder aktualisiert werden. Solche östlichen Partner sind auch geeignet, um die Vertriebswege und den Markt für das eigene Produkt in den Beitrittsländern auszuprobieren, mit dem Ziel, den eigenen stabilen Auftritt zu erreichen.
Mit einem Risiko behaftet ist die einsetzende Freizügigkeit für östliche Arbeitnehmer über die Ländergrenzen hinweg. Das Problem der Arbeitsnehmerfreizügigkeit wird also Auswirkungen haben. Wohl aber nicht so, daß eine Masseninvasion aus dem Osten zu befürchten steht. Zum einen bleibt, z.B. bei der Baubranche, ein gesetzlich festgelegter Stopp für Ausländer bestehen. Sollte aber dennoch der eine oder andere Facharbeiter, egal welcher Branche, aus einem Beitrittsland an dem Tor ihres Betriebes hier in Sachsen stehen und nach Arbeit fragen, dann ist es ihre Entscheidung sich in Absprache mit den eigenen Leuten für eine Abfuhr oder unter Umständen, man sollte das nicht ausschließen, vielleicht doch für eine Aufnahme auszusprechen. Aus nachvollziehbaren Gründen wäre es durchaus gerechtfertigt, dem östlichen Arbeitnehmer einen Lohn zu zahlen, der nicht gleich dem sein kann, den ihre eigene Belegschaft erhält.
Eines muß folgend noch angesprochen werden.
Die innerbetrieblichen Strukturen, wie die Verlängerung der Arbeitszeit und damit auch eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität, der Grad der schnellen Verfügbarkeit der eigenen Produkte, weitere Qualitätsverbesserungen daran und zwar durch innovatives Vorgehen werden neu zu bedenken und zu wichten sein. Weil der Konkurrenzdruck aus dem Osten zunehmen wird, ob wir das wollen oder nicht, müssen Maßnahmen in den Betrieben, die Leitung und die Belegschaft, abgesprochen werden, um ein Gegengewicht aufzubauen.
Kleinere Betriebe werden auch reagieren müssen, wenn der Reformdruck bei der Arbeitsgesetzgebung durch die Bundesregierung so stark wird, daß es zu wahrscheinlich grundsätzlichen Änderungen im sozialen und marktwirtschaftlichen Gefüge insgesamt kommen wird.
Uns allen stehen spannende Monate und Jahre beim Zusammenwachsen eines größeren Europas bevor.
Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst sind es, die in den Firmen in einer konzertierten Aktion ihre neue Arbeitswelt schaffen werden. Dafür haben die Politiker und die Wirtschaftsfunktionäre ein solches Programm zu beschließen, das besonders die kleineren Unternehmen in den ersten Jahren der Ost-Erweiterung schützt.

Dr. Uwe Niedersen 

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