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Während der Informations- und Kontaktbörse im
September im Rathaus Torgau mit über 100 Teilnehmern aus Sachsen und den Ostländern,
sprach der deutsche Unternehmer Eckhard Alms, U.A.B. Fracht-Trans-Spedition; Klaipeda,
Litauen über die wirtschaftliche Situation des Baltikums.
Im Zusammenhang mit seinem Erfahrungsbericht konnten wir ihm zusätzlich einige Fragen
stellen (Interview: Dr. Uwe Niedersen)
1. Wie werten Sie als deutscher
Unternehmer in Litauen die EU-Osterweiterung?
Es ist in allen drei Baltischen Ländern eine deutliche Tendenz erkennbar, gerade
mit Westeuropa und auch mit den Vereinigte Staaten die Handelsbeziehungen zu erweitern.
Man muß aber auch deutlich sagen, daß im Außenhandel alle drei Baltischen Länder zu
ca. 60 % an Rußland gebunden sind.
Wir sehen mit Optimismus die offizielle Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft.
Nicht nur die EU-Warenströme gehen dann über das Baltikum in Richtung Rußland,
Ukraine und Kasachstan, sondern die Balten gehen davon aus, daß auch der bilaterale
Handel zwischen Deutschland-Lettland, Deutschland-Litauen, Deutschland-Estland sich weiter
verstärken wird, auch aus der dann deutlich größeren Rechtssicherheit für mögliche
Investoren.
Investitionen, die nach dem 1. Mai 2004 in den Baltischen Ländern angelegt werden,
sind gesicherte, garantierte Investitionen und dann hängt es nur noch vom kommerziellen
Geschick des Unternehmers ab, diese Investitionen auch entsprechend nutzbringend unter
Kontrolle zu halten.
2. Können Ausländer in Litauen Grund und Boden erwerben?
Zum Eigentumsrecht ist zu sagen, daß es für ausländische Firmen möglich ist,
in Litauen Grund und Boden käuflich zu erwerben und darauf dann Produktionsstätten zu
errichten bzw. vorhandene Betriebe und Gebäude zur rekonstruieren und für die eigene
Produktion zu nutzen.
Der Kauf von bestehenden Betrieben in Litauen ist gesetzlich geregelt. Es ist ein
freier Kapitalfluß zugelassen. Die Banken liefern heute bereits ein gut funktionierendes
System des Geldtransfers. Die Zeiten liegen zwischen zwei und drei Tagen bei
Geldübertragungen von Deutschland nach Litauen bzw. entgegengesetzt.
In Litauen haben wir gegenwärtig bereits Niederlassungen von deutschen Banken, die
auch kommerziell dort tätig sind, die also nicht nur Repräsentanten und Berater sind.
Kreditierungen finden zu ähnlichen Bedingungen statt wie in Westeuropa.
3. Wie ist die Situation bei den Lohnkosten und beim
Steuerrecht?
Die Lohnkosten in Litauen sind jetzt schon nicht mehr so günstig wie noch vor 5 Jahren.
Vor 5 Jahren bekam eine litauische Arbeitskraft umgerechnet 410,- Mark im Monat.
Heute sind es bereits 300,- Euro. Es ist auf dem Baltikum-Markt zu erkennen, daß einige
Firmen aus Westeuropa auf Grund der gestiegenen Lohnkosten es sich heute nicht mehr
leisten können, Lohnarbeit ("verlängerte Werkbank") in Litauen ausführen zu
lassen.
Steuerrechtlich ist zu beachten, daß für die Arbeitskraft in Litauen bis zu 31 %
Lohnsteuern zu bezahlen sind, und das weiterhin eine 30 % Sozialversicherungsabgabe zu
kalkulieren ist.
Nach litauischem Arbeitsgesetz ist ein Mindestgehalt von 420,- Litas (LTL)
(entspricht ungefähr 120,- Euro) monatlich zu zahlen. Die Arbeitszeit ist für die
Litauer mit 40 Wochenarbeitsstunden genau festgelegt. Die Wochenenden (Samstag und
Sonntag) sowie Feiertage sind frei.
4. Welche Steuern hätte ein Unternehmer aus Deutschland in
Litauen zu zahlen?
Einiges ist bereits gesagt worden. Ich darf Ihnen einen Überblick geben:
Körperschaftssteuer: 29 %; Sonderregelungen sind in Abhängigkeit vom Jahresumsatz
insgesamt möglich; Einkommenssteuer: 18 % 25 %; Mehrwertsteuer: 18 %; Grundsteuer:
1 %; Verkaufssteuern, Straßensteuer, Umsatzsteuern, die aber in der Summe etwa 1 %
ausmachen.

Herr Alms (Referent, r.) bereits 10 Jahre
Vorstand der deutschen Firma U.A.B. Fracht-Trans
in Klaipeda (Litauen)
© by Dr. Uwe Niedersen