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Im nächsten Jahr erfolgt der Beitritt von 10
osteuropäischen Ländern in die Europäische Union der bisher 15 Mitgliedstaaten.
Die vom Ost-West Verein e.V. zur Förderung internationaler Wirtschaftskontakte in
Torgau in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Torgau-Oschatz und der Stadtverwaltung Torgau
in Vorbereitung sich befindende internationale Unternehmerbörse Ost-West erhält aufgrund
der EU-Osterweiterung eine besondere Bedeutung.
Auf der im April dieses Jahres durchgeführten Europa-Börse zur Anbahnung von Ost-West
Kontakten der Unternehmer und anderer Interessierter (siehe Foto) wurden zirka 100
Teilnehmer im Torgauer Rathaus registriert. Eine ähnliche Beteiligung wird auch für die
bevorstehende Kontaktbörse am 25. und 26.09.2003 erwartet.
Die ersten etwa zwanzig Zuschriften aus Osteuropa zeigen, daß die Branchen Stahlbau
sowie Metall- und Kunststoffbearbeitung, weiter Holz und Handel
auf der Börse gut besetzt sein werden. Weitere Branchen sind Informationstechnologie,
Umwelttechnik und Transportwesen sowie Verpackungsindustrie.
Außerdem werden aus allen Osteuropa - Beitrittsländern sowie aus Rußland und
Moldau Experten für Unternehmenskooperationen während der Börse einen
unentgeltlichen Beratungsservice anbieten. Der Schwerpunkt dabei liegt auf dem
Themenbereich "Chancen und Risiken der Osterweiterung". Am Beispiel des
Baltikums als Zukunftsmarkt wird ein Erfahrungsbericht eines Firmengründers aus
Deutschland zur Situation in Litauen und Lettland gegeben. Auf jede Frage der deutschen
Unternehmer wird eine Antwort aus erster Hand gegeben werden können.
Folgend seien einige neuere Fakten im
Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung genannt.
Die mit der Erweiterung beschäftigte EU-Kommission hat einen Betrag von 42
Milliarden Euro an entstehenden Kosten beim Beitritt der zehn hinzukommenden Staaten im
Zeitraum 2004 bis 2006 veranschlagt. Deutschland wird bis 2006 davon 10 Milliarden Euro
pro Jahr zu tragen haben. Der jährliche Betrag wird sich danach eher noch erhöhen,
wahrscheinlich sogar verdoppeln.
Eingeschätzt wird aber auch, daß Deutschland durch die Erweiterung wohl am meisten
profitieren wird.
Wenn der bisherige Europa-Markt um eine halbe Milliarde an Bevölkerung anwächst, werden
die Investitionen in die neuen Ost-Staaten sich in einer weltweiten Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit der im "Alten Europa" ansässigen Mutterbetriebe
niederschlagen. Für Investoren bleibt eine gute Investitionsdividende garantiert;
außerdem verringert sich der Migrationsdruck auch in den an den Osten unmittelbar
angrenzenden Europa-Regionen wie z.B. Sachsen.
Nach Aussagen von Staatsminister Tillich (Dresden) haben sich Sachsens Exporte
Richtung Osten in den letzten Jahren verdreifacht. Allerdings muß der chronischen
Überlastung der Verkehrsinfrastruktur in den jungen Bundesländern und natürlich noch
schlimmer in den Beitrittsländern energischer entgegengetreten werden.
Unter anderem ist für Sachsen, Brandenburg und so auch für Torgau der Bau der
A 16 ein unbedingtes Muss!
Insgesamt wird der in Richtung Osten grenzüberschreitenden Koordination der
Verkehrsinfrastruktur viel mehr Aufmerksamkeit zu widmen sein. Das gilt um so mehr, weil
40 Prozent des EU-Handels mit den Ost-Beitrittsländern über die jungen Bundesländer und
Deutschland insgesamt abgewickelt werden wird.
Abschließend noch einige Informationen für kleine und
mittelständische Unternehmen der hiesigen Region im Zusammenhang mit
der bevorstehenden Erweiterung um den neuen Ost-Markt.
Wir wollen folgend nicht nur allgemein über Vertriebsnetze für hiesige Produkte
auf dem Ost-Markt, über eventuell zu erwartende Migrationen und über Investitionskosten
reden, sondern einmal zwei Beispiele unternehmerischen Risikos aufführen, die
interessierten Firmenvertretern der Region konkreten Informationszuwachs bieten könnten.
Das erste Beispiel, Holz:
Ein westlicher Betrieb möchte gemäß seiner Vorgaben wie Maße und Qualitätsmerkmale
geschnittenes Eichenholz in Litauen kaufen. Der Kubikmeter sollte nicht über 370,00 Euro
frei Haus kosten. D.h. in dem o. g. Euro-Preis hat der Litauer die Transportkosten
unterzubringen. 25 Tonnen Holz pro LKW-Transport von Litauen auf der Straße kosten bis zu
1.400,00 Euro. Da die Straßen Polens nur bis 20 Tonnen belastet werden dürfen, kommt
somit günstiger der Seeweg in Betracht. Die Benutzung der Fähre von Klaipeda (Litauen)
bis Rügen oder Kiel kostet zirka 700,00 Euro pro LKW mit 20 Kubikmeter beladen. Wenn in
Litauen diese Preise gehalten werden, nimmt der besagte westliche Betrieb 2 - 3 Ladungen
in der Woche ab. Sollte sich diese Geschäftstätigkeit stabilisieren und störungsfrei
entwickeln, ist derselbe Betrieb im Zuge der EU-Erweiterung durch Nutzung von
EU-Fördermittel bereit, in Litauen zu investieren und eine Produktionsstätte der
Holzbearbeitung vor Ort mit modernen westlichen Maschinen und unter Einsatz günstiger
litauischer Arbeitskräfte zu errichten.
Ein anderes Beispiel, Metallbearbeitung:
Für den Stahlbau werden oft Fertigungen benötigt wie verzinkte oder gestrichene
Profilträger, Winkel, usw. Diese lassen deutsche Montagefirmen gern in Polen, Tschechien
fertigen. Jetzt ist der Blick über Polen hinaus bereits auf die Westukraine als
Fertigungsstätte gerichtet. Ein erster Kostenvoranschlag aus der Region Lemberg
(Ukraine), gemäß vorgelegter Zeichnungen aus Deutschland ergaben Fertigungskosten, die
dreimal so hoch lagen wie in Deutschland; eine zweite Anfrage war günstiger, doch weiter
viel zu teuer. Wie kommt so etwas zustande, da doch jeder richtig vermutet, dort existiere
ein besonders günstiger Stundensatz? Tatsächlich kostet in der Lemberger Region die
Stunde Arbeitszeit nur 1,00 - 2,00 Euro. Leider wird dieser Vorteil durch den Gebrauch
völlig veralteter Maschinen aufgezehrt. Ähnliche Verhältnisse finden sich auch im
Baltikum und mitunter im Osten Polens sowie der Slowakei.
Das heißt, daß eine deutsche Fertigungs- und Montagefirma, die bereitgestellten
Investitionsmittel im Zuge der EU-Osterweiterung nutzen sollte, um in Ost-Betrieben, die
dann freilich zu übernehmen wären, einen entsprechenden Maschinenpark zu installieren.
Zumal davon auszugehen ist, daß sich die Zahl der kleinen und mittelständischen Betriebe
in den östlichen Beitrittsländern um zirka 20 % verringert, d.h. für eine günstige
Übernahme bereit stehen würden.
In diesem Zusammenhang halten wir das Projekt des Koordinierungskreises der
Regionalinitiative, Leitung Herr Damm, zur Kompetenzermittlung regionaler Betriebe für
einen wichtigen Schritt. Der Koordinierungskreis wird in der Lage sein, auch solche
Kompetenzen regionaler Betriebe anzuweisen, die möglicherweise hinreichend sein könnten,
um Geschäftstätigkeiten auf dem neuen Ost-Markt in Betracht zu ziehen.
© by Dr. Uwe Niedersen

Während der April-Unternehmerbörse:
Deutsche, tschechische und slowakische Unternehmer der Branche Metallbearbeitung
und Stahlbau bei Kontaktanbahnungen Foto: Archiv Ost-West Verein e.V.