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Der Ost-West Verein e.V. informiert über einen
Erfahrungsbericht, den der Geschäftsführer der Handelsvertretung Wehner, Dresden,
während der vergangenen internationalen Kontaktbörse in Torgau zur Geschäftstätigkeit
in Rußland vortrug.
Herr Wolfgang Wehner ist ein anerkannter Rußland-Experte, der mittelständische
deutsche Unternehmer zu den Brennpunkten des Wirtschaftsaufschwungs in den GUS-Staaten
(vor allem Rußland) führt. Die Wirtschaftsreisen werden auf den web-Seiten seiner Firma
(www.hvwehner.de) jeweils vorgestellt.
Folgend einige Inhalte des Rußland-Berichts von Herrn Wehner:
1. Zur Situation in Rußland
Der Marktgedanke hat nicht nur in den meisten politischen Gruppierungen, sondern
auch innerhalb Rußlands Fuß gefaßt. Marktwirtschaft ist in Rußland ein irreversibler
Prozeß geworden.
Unter den GUS-Staaten ist es das Land mit der fortgeschrittensten
Privatisierungspolitik und der größten Unabhängigkeit von anderen Ländern.
Wie ist das gemeint?
Die Ukraine ist zwar frei, aber auch "frei" von allen Rohstoffen.
Oder, denken wir an die Baltik-Republiken. Sie haben sich von dem großen
russischen Markt abgeschnitten, ohne auf dem westlichen Markt angekommen zu sein.
Kasachstan war nach 1990 das bevorzugte Land westlicher Investoren. In Kasachstan
waren nach der Wende sofort progressive Bodengesetze verabschiedet worden. Hinterher hat
sich herausgestellt, es waren "Luftblasen". In Kasachstan herrscht ein
demokratieentferntes Regime. Die Produktion geht aus Kasachstan wieder heraus. Rußland
hat Zukunft.
Sie finden in Rußland Betriebe mit großer Fertigungstiefe vor. Die sind
wirtschaftlich unabhängig. Sie wollen alles selbst produzieren. Sie stellen die Normteile
her. Sie haben eigene Werkstätten und einen eigenen Formenbau. Wenn wir in Deutschland
eine Fertigungtiefe von 18-20 % haben, haben die Russen gegenwärtig 80-90 %.
An den Zahlen ist erkennbar, daß der Transformationsprozeß in Rußland noch in
den Anfängen steckt. Für westliche Betriebe bleiben somit die Chancen erhalten.
Die Kaufkraft in Rußland steigt. Im Jahr 2001 ein Plus von 22%; in diesem Jahr ist
ein Wachstum des Bruttosozialprodukts von 4 % festgestellt worden. Es gibt einen großen
Anstieg russischer Firmen, die echte schwarze Zahlen schreiben. Besonders im Bereich
Telekommunikation, Tourismus, Bau, in der Landwirtschaft. In der Landwirtschaft gibt es
Zuwächse bis zu 20 %. Hochkonjunktur hat die Metallurgie.
2. Gründe pro Rußland
Die Lohnkosten sind sehr niedrig.
Es gibt eine neue Steuergesetzgebung. Die Einkommensteuer linear 13 %, die
Gewinnsteuer 24 %.
Es gibt einen relativ einfachen und preisgünstigen Einstieg in Kooperationen mit
russischen Firmen.
Das neue Bodenrecht gestattet den Erwerb von nichtlandwirtschaftlichem Grund und
Boden (auch für Ausländer). Der Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen ist gestattet,
jedoch nicht an Ausländer.
Firmenanmeldungen sollen in Rußland in Zukunft nur noch 3 Tage dauern, gemäß einer
Ankündigung von Präsident Putin.
3. Hindernisse auf dem russischen Markt
Es bestehen weiter politische Unwegbarkeiten;
Strukturanpassungsdefizite; Rechtsunsicherheiten.
Es gibt 36 Prüforganisationen, die westlichen Unternehmern den Einstieg
erschweren: TÜV, Hygiene, Feuerwehr, Sanitätsinspektion usw.
Das betriebswirtschaftliche Rechnungssystem ist noch nicht transparent. Die Bilanz
wird noch nach sowjetischen Vorschriften erstellt, so bilanzieren viele Firmen doppelt.
Außerhalb der Ballungszentren wie Moskau, Petersburg gibt es eine geringe
Standortattraktivität für westliche Unternehmen.
Das Bankensystem muß weiter ausgebaut werden.
4. Hermes-Bürgschaften wieder aktuell
Nach dem großen Treffen Putin und Kanzler Schröder im April in
Weimar ist Rußland aus der Kategorie 6 in die günstigere Bewertungskategorie 5 gesetzt
worden. Damit sind die Hermes-Bedingungen wesentlich günstiger.
Wie funktioniert Hermes und welche Möglichkeiten gibt es?
Hermes ist eine interministerielle Arbeitsgruppe zwischen dem Bundesfinanz- und dem
Bundeswirtschaftsministerium. Die Entscheidung für Hermes bereitet das Price Waterhouse
in Hamburg vor.
Bei einer Hermes-Bürgschaft muß eine beliebige deutsche Geschäftsbank
eingeschaltet werden.
Der deutsche Exporteur und der russische Importeur schließen einen Kaufvertrag ab.
Der russische Importeur leistet 15 % Vorauszahlung und schließt danach mit einer
russischen Geschäftsbank einen Kreditvertrag ab. Die aktuelle Liste der durch Hermes
anerkannten russischen Banken ist abrufbar. Die beiden Banken schließen untereinander
ebenfalls einen Kreditvertrag ab und der deutsche Exporteur liefert. Die deutsche
Geschäftsbank, wie das üblich ist, bestätigt die Lieferung, kontrolliert die Dokumente
und gibt dann das Geld dem deutschen Exporteur frei.
Auch für den russischen Partner ist Hermes interessant. Sie bekommen jetzt
gegenwärtig von der russischen Bank nur einen Kredit (in Valuta) mit einer Laufzeit von
einem Jahr zu 25%.
Hermes bietet Kreditlaufzeiten bis zu 5 Jahren an. Die Kreditkosten bei Hermes sind
nicht höher als 12 %. Was die russische Geschäftsbank vom russischen Importeur verlangt,
ist uneinheitlich.
Interessierten deutschen Unternehmen ist zu empfehlen, eine Außenhandelsberatung
für Rußland durch die IHK oder besser durch
ein ausgewiesenes und spezialisiertes Consulting-Büro in Anspruch zu nehmen.
![]() Herr Wehner bei seinem Erfahrungsbericht über den Rußland-Markt; Internationale Unternehmerbörse Ost-West in Torgau Foto: Dr. Niedersen |
![]() Ein sächsischer Unternehmer (r.) im Gespräch mit einem Vertreter einer russischen Erschließungsfirma über Lager- und Unterkunftscontainer für Projekte in Sibirien Foto: Dr. Niedersen |