| Wirtschaft | Technik | Tradition |
Raumfahrer Victor M. Afanasiev:
Es gibt weiteres Leben im Weltall!
Russischer Kosmonaut besuchte Ostelbien
Der Kosmonaut Victor M. Afanasiev wohnte jüngst im Schloß
Triestewitz (Ostelbien), besuchte Torgau und nahm am Flugplatzfest in Lönnewitz teil.
Von Afanasiev stammt der bekannte Satz: "Der Mars wäre mir nicht zu weit".
Angesichts der derzeitigen Nähe des Roten Planeten, die Entfernung zwischen Erde und Mars
beträgt in den nächsten Wochen "nur" 56 Millionen Kilometer, gibt es einen
erfreulichen Andrang in den Sternwarten. Die für uns nächste ist in Eilenburg.
Hinzu kommt, daß soeben die NASA das Infrarot-Teleskop SIRFT durch die Weiten des Alls
schweben läßt, von dem die Registrierung aufregender und unerwarteter Begegnungen mit
irgendwelchen Signalen erwartet wird.
Aber zurück zur Erde und zu dem Raumfahrer Victor Afanasiev.
Afanasiev flog viermal in den Weltraum. Seine Crew war es, die am 20. Februar 1999 als
letzte reguläre Besatzung zur russischen Raumstation MIR aufbrach. Am 28.8. 1999 kehrte
die 3-Mann-Besatzung, die Russen Victor M. Afanasiev, Sergej W. Awdejew und der
ESA-Astronaut Jean-Pierre Haigneré (Frankreich) zur Erde zurück. Alle Drei winkten beim
Verlassen der MIR noch einmal in die Kamera, die Luken wurden geschlossen, "der
Vorhang ging für immer zu". Die MIR hatte ausgedient. Sie verglühte nach
planmäßiger Rückholung am 23.März 2001 in der Atmosphäre.
Afanasiev sagte beim Rückflug zur Erde voller Trauer: "Wir verlassen eine
außergewöhnliche Station, während es keine neue Besatzung mehr gibt, mit schmerzender
Seele. Wir verlassen ein Stückchen Rußland."
Doch schon 2001 flog er dann als Kommandant mit einer Sojus (TM 33) zur Internationalen
Raumstation (ISS). Seine Bordingenieurin hierbei war Claudie Haigneré, mit deren Mann er
wie gesagt den letzten Flug zur MIR unternommen hatte. Claudie Haigneré ist in der
gegenwärtigen französischen Regierung Ministerin für Forschung.
Langzeitaufenthalte in der ISS dienen auch der Vorbereitung für das nächste große Ziel
der internationalen Raumfahrt: Der Flug zum Mars.
Angemerkt werden soll, daß 1993 die USA und Rußland die Partnerschaft für den Bau der
ISS vereinbart hatten. Europa (ESA), hier Deutschland, Frankreich, Italien sowie
eigenständig auch Kanada und Japan entschieden sich daraufhin, dieser Kooperation zum
Aufbau und zur Nutzung der Weltraumstation beizutreten.
Wobei Deutschland, das Stammland der ersten ballistischen Fernrakete (im guten wie im
schlechten Sinne), Peenemünde am 3. Oktober 1943, bis heute hinter seinen
ingenieur-technischen Möglichkeiten in der Luft- und Raumfahrt zurückbleibt.
Nach seinem Vortrag auf dem Flugplatz in Lönnewitz wurde
Victor Afanasiev von uns (Dr. Uwe Niedersen) befragt:
Herr Afanasiev, wann wird es den ersten Flug zum Mars geben; was sind dabei die Probleme ?
Victor Afanasiev: Wir können davon ausgehen, daß in 15 18 Jahren zum Mars
geflogen wird. Die Probleme sind vielseitig. Es sind nicht etwa die technischen Probleme,
die es allein zu überwinden gilt. Da kommen hinzu die Verteilung der enormen Kosten, die
politische Situation, denn das Mars-Projekt sollte schon eine internationale Trägerschaft
erhalten.
Ganz wichtig erscheint mir ein Training, um die psychologischen Belastungen der Mannschaft
beherrschbar zu machen. Wenn ein Raumschiff zum Roten Planeten unterwegs ist, dann gibt es
bei Havarien keine Möglichkeiten, von der Erde aus umgehend zu helfen.
So ein Flugapparat kann schlechterdings sogar am Mars vorbei fliegen, ihn verfehlen.
Wenn ich bei Arbeiten in oder außerhalb der MIR Streß bekam, konnte ich mich durch
Blicke auf unsere Erde, auf unseren schönen blauen Planeten, beruhigen. Das kann eine
Mars-Crew nicht; sie wird die Erde nicht mehr im Blick haben. Einer Mannschaft müßte man
ein solches psychologisches Training verabreichen, das Übungen enthält, welche auf das
Mars-Projekt hinzielen. Diesen Raumfahrern müßte man vorerst nicht sagen, daß sie dabei
sind, ein "Mars-Psychotraining" zu absolvieren. Der DUMA-Abgeordnete und
frühere Kosmonaut Sewastjanow regte neulich an, eine "Kleine MIR" zu bauen,
diese im Weltraum zu positionieren und ausschließlich für Touristenbesuche zu nutzen.
Herr Afanasiev, welche Meinung haben Sie von einem
Weltraum-Tourismus ?
Victor Afanasiev: Ich bin für einen Tourismus im Kosmos. Meiner Meinung nach kann jeder,
der gesund ist, in den Weltraum fliegen. Freilich müßte er das Ticket dafür bezahlen
können.
Die führenden Raumfahrtnationen horchen mit Superantennen in den Weltraum hinein, um von
irgendwoher Signale zu empfangen.
Herr Afanasiev, was meinen Sie, gibt es im weiten All
bewohnte Planeten, Lebewesen so wie wir?
Viermal war ich bisher oben, gesehen habe ich niemanden da draußen und bin auch keinem
Fremden begegnet. Am 1. April machen wir unter uns Kosmonauten so Späße, wie wenn jemand
die tolle Entdeckung von "Weltraum-Menschen" gemacht hätte. Das ist so ein Ulk.
Aber Spaß beiseite ! Ich bin der festen Überzeugung, daß es Leben im Weltall gibt,
sicher sehr weit von uns entfernt. Diese meine Überlegung darf ich noch dahingehend
verstärken, daß ich denke, daß unsere Erde schon einmal von "Außerirdischen"
aufgesucht wurde.
Wenn Sie so wollen, glaube ich also an so eine Art UFOs, die unsere Erde kontakteten.
Sind Sie von dieser meiner Ansicht überrascht ?

Kosmonaut Victor M. Afanasiev
Foto: Archiv Förderverein Europa Begegnungen e.V.
© by Dr. Uwe Niedersen