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Zum Elbe Day 2003 - Die Brücke von Torgau -
Paul Staub: "Sie hatten die gleiche Sehnsucht, den Krieg zu beenden."

Es waren vier amerikanische Soldaten, William Robertson, James McDonnell, Paul Staub und Frank Huff, die am 25. April 1945 das Gebiet zwischen der Mulde von Trebsen bei Wurzen und der Elbe in Richtung Torgau mit einem Jeep durchfahren hatten.
Ein Gebiet, das von der Wehrmacht noch kontrolliert wurde. Die Wehrmacht, das waren damals deutsche Soldaten, welche dankbar waren, von den vier amerikanischen Patrouille-Fahrern entwaffnet und in die amerikanische Gefangenschaft Richtung Mulde geschickt zu werden. Auch die Bürger von Torgau sind den vier mutigen Amerikanern dankbar, weil sie mit ihrer "Expedition" nach Torgau verhinderten, daß es zwischen Mulde und Elbe zu blutigen Kämpfen kam. Weil sie mit der "Besetzung" des Gebiets zwischen den beiden Flüssen und der Begegnung mit der Roten Armee an der Elbe bei Torgau dazu beitrugen, dass Torgau kaum aus der Luft bzw. durch Artillerie von der Ostseite der Elbe attackiert wurde. Achtung und Dankbarkeit gegenüber den Amerikanern und den Russen bezeugte die Stadt Torgau an der Elbe in Sachsen durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft, 1995, an William Robertson und Alexander Silwaschko.
Von der legendären Robertson-Patrouille lebt heute nur noch Paul Staub.
Mit einem deutschen Fotoapparat, einem ZEISS Ikon 35 mm fotografierte er, wie Robertson und Huff über die gesprengte Elbbrücke zu den Russen auf die andere Flußseite hinüberkletterten. Das war das einzigste Realtime-Foto der Begegnung zwischen Russen und Amerikanern in Torgau an der Elbe am 25.04.1945. Staub und McDonnell blieben beim Jeep an der Brücke auf der Westseite.
Das Foto von Paul Staub wurde bei gelegentlichen Veröffentlichungen nach dem Krieg bereits publiziert, aber berühmt wurde es erst 1995, als es Briefmarke wurde: ein Stück eines Briefmarkensatzes, eines großformatigen Briefmarkenblocks der amerikanischen Post.
Auf diesem Gedenkblock haben die Amerikaner alle für sie wichtigen Orte und Ereignisse des II. Weltkrieges auf jeweils einer Briefmarke illustriert, insgesamt 10 Einzelbriefmarken bilden den Briefmarkenblock.
(Auf der Titelseite dieses Amtsblattes ist Paul Staub sowie sein Foto als Briefmarke abgebildet.)
Der Förderverein Europa Begegnungen e. V. hat zu Paul Staub freundschaftlichen Kontakt.
Dr. Uwe Niedersen hat ihn interviewt, unten veröffentlichen wir beide Gespräche.
Zuerst wollen wir aber die vier an der Patrouille beteiligten Amerikaner kurz vorstellen:
William Robertson leitete als Unterleutnant die Aktion, die zur "Torgau-Begegnung" führte.
Nach dem Krieg war er als Neurochirurg in Kalifornien tätig. Er starb im Januar 1999. Robertson ist auf dem berühmten Ehrenfriedhof für Soldaten mit besonderen Verdiensten in Arlington beerdigt worden.
James McDonnell wohnte mit seiner Frau und seinen Kindern in Peabody, Massachusetts. Er war als Hauptmann der Feuerwehr beschäftigt und starb 1997 (oder 1998).
Frank Huff wohnte mit seiner Frau und seinen Kindern in Washington, Virginia. Nach Heimkehr aus dem Krieg arbeitete er 20 Jahre als Automechaniker und mehrere Jahre in einer großen Produktionsanlage. Nach zwei Rückenoperationen ging er in den Ruhestand und starb am 24. Oktober 1992.
Nun zu Paul Staub: Aufgrund seines deutsch klingenden Namens nahmen wir an, er sei deutschstämmig; zumal Robertson oft anmerkte, dass Staub deutsch sprach, und er auch deshalb für die Patrouille wichtig war. Staubs Vorfahren, Juden, stammen aber aus Österreich. Von den Eltern und Großeltern lernte er jiddisch, eine hebräisch-deutsche Schrift und Umgangssprache. Er redete also mit den auftauchenden deutschen Wehrmachtssoldaten während der Patrouille zwischen Wurzen und Torgau jiddisch.
Staub wurde 1925 in New Jersey geboren. Er lebte nach dem Krieg in der East Bronx von New York und besuchte das "City College of New York"; 1948 heiratete er.
Nachdem er verschiedene Jobs hatte, wurde er bei einer Bekleidungsfirma fest angestellt und blieb dort 45 Jahre. Staub war Vertreter, Manager und ging als Mitbesitzer der Firma in Rente. Er hat Kinder und Enkelkinder.
Im Gespräch: Paul Staub und Uwe Niedersen
(Das Interview per E-Mail Übersetzungen Gabriele Opitz, Dr. Uwe Niedersen)
Paul, Sie wurden von Robertson für die Patrouille ausgewählt. Warum?
P. Staub: Wir vier kamen aus einer Einheit. Wir absolvierten gemeinsam die Ausbildung und waren auch bei einigen Missionen zusammen, und als Kriegskameraden waren wir eben auch Freunde geworden.
Paul, Sie erinnerten sich, dass während sie und McDonnell auf der Torgauer Seite der Elbe am Jeep auf Robertsons Rückkehr von den Russen warteten, mehr und mehr russische Soldaten auftauchten. Waren das welche, die schon auf der Westseite, also schon in Torgau waren, vielleicht Aufklärer, die sich zeigten?
P. Staub: Ja, ich stand mit Mc Donnell auf der Torgauer Seite der Elbe, und ich bin mir sicher, dass die Russen, die sich zu uns gesellten, alle die Brücke überquerten. Übrigens hatte ich den Eindruck, sie hatten alle die gleiche Sehnsucht, den Krieg zu beenden. Allerdings habe ich keine Fotos von diesen russischen Soldaten gemacht. Ich meine und bin mir wirklich sicher, dass zu dieser Zeit (25.04.1945, 16.00 Uhr) auf der Westseite (Torgau) keine Russen waren.
Paul, wie kam es eigentlich dazu, dass irgendwer Ihr Foto von den zu den Russen kletternden Robertson auf der Elbebrücke in Torgau für den Briefmarken-Gedenksatz von 1995 (50 Jahre Kriegsende) auswählte ?
P. Staub: Im Verlauf der vergangenen Jahre hatte ich das Foto der Brücke von Torgau und den Soldaten darauf in verschiedenen Artikeln publiziert. Als das US Post Office sich entschied, zu 50 Jahre siegreiche Beendigung des Krieges Gedenkmarken herauszugeben, war der Künstler auch damit beauftragt, ein Bild zu schaffen, dass an die Brücke von Torgau erinnert und er nahm mein Foto als Vorlage für die grafische Gestaltung.
Paul, Ihre Patrouille hatte den Befehl nicht eingehalten. Sie sollten die Patrouille nicht so weit, schon gar nicht bis Torgau fahren.
P. Staub: Ja, es ist wahr, dass wir weiter fuhren als wir sollten und eine Strafe gegen uns wurde nach der Rückkehr diskutiert. Offiziere von höchster Stelle (General Bradley) entschieden, dass wir eine gute Sache vollbracht hatten und so erhielten wir statt der Bestrafung Medaillen. Mir wurde der Bronze Star (Anm.: seit 1942 Orden in den USA) durch die Amerikaner verliehen und von den Russen erhielt ich den Orden des Ruhms. General Eisenhower war es persönlich, der uns beförderte. Ich z. B. wurde Unteroffizier.
Paul, Sie hatten unmittelbar nach der Begegnung auf der Elbwiese vier Russen, Larionow, Neda, Silwaschko, Andrejew, in Ihrem Jeep mit nach Trebsen genommen. Die wurden übrigens wirklich bestraft. Was wissen Sie darüber?
P. Staub: Ich weiß nichts über irgendwelche Bestrafungen der vier Russen.
Paul, hatte Ihre Patrouille die vier Russen, die mit in Trebsen waren, nach dem 25.04. jemals wiedergesehen? Vielleicht auch später, bei Veteranentreffen?
P. Staub: Nachdem wir in der Nacht vom 25. oder in den frühen Morgenstunden des 26. April zur Elbe nach Torgau zurückgekehrt waren, sah ich die vier Russen nicht wieder. Es tut mir leid, ich hatte in all den Jahren keinen Kontakt zu irgendeinem Russen, den ich an der Elbe traf.
Doch eines muss ich sagen, 1975 gab es in der Sowjetischen Botschaft in Washington D.C. eine Festveranstaltung zu 30 Jahre Elbe-Begegnung. Ich war eingeladen und sah dort Frank Huff. Er kam mit seiner Frau und seinem Sohn. Wir hatten uns beide sofort erkannt, also hatten wir uns nicht sehr verändert. Wir trafen den sowjetischen Botschafter Dobrynin.
Paul, Sie sind nach dem Ereignis des 25. April nach Paris geflogen worden; trafen später den Oberbefehlshaber General Eisenhower und schenkten ihm die von Robertson selbst angefertigte gemalte amerikanische Flagge. Diese Fahne sollte den Russen damals an der Elbe zeigen: Hier sind Amerikaner. Wo ist diese Begegnungsfahne von Torgau abgeblieben?
P. Staub: Es war entweder der 26. April oder 27. April 1945 als wir Vier den Befehl erhielten, nach Paris zu fliegen. Ich kann mich nicht erinnern, von wo wir abgeholt wurden. General Eisenhower war großartig, als wir in sein Büro eintraten, konnte man den "Magnetismus" dieses Großen Mannes fühlen. Uns gegenüber war er herzlich, höflich, gütig. Er sprach mit jedem von uns und schien sehr informiert zu sein über das, was wir an der Elbe erlebt und vollzogen hatten. Das einzigste Foto, dessen ich mir bewusst bin, zeigt uns, wie wir General Eisenhower die Fahne von Torgau schenkten. Ich habe in den letzten Jahren versucht, die Fahne ausfindig zu machen, doch ohne Erfolg. Bevor wir den Dienstraum von General Eisenhower verließen, wurde jeder um einen Dienstgrad befördert.
Paul, unser Bürgerverein besitzt die Fahne von Torgau. Es ist allerdings ein zweites, aber doch ein handgefertigtes Exemplar, das Bill Robertson 1995 mit uns anlässlich "50 Jahre Elbebegegnung" herstellte. Robertson stieg am 25.04.1995 damit noch einmal auf den Turm des Schlosses Hartenfels und schwenkte die Fahne zur Ostseite. Robertson und Silwaschko, auch Olschanski und andere von damals signierten die Fahne von Torgau. Die zweite historische Fahne von Torgau wartet auf Ihre Unterschrift!
P. Staub: Überglücklich wäre ich, noch einmal Torgau sehen zu können.
Paul, war Ihnen am 25.04.1945, 16.00 Uhr in Torgau bewusst, dass Sie und Ihre Patrouille ein Stück Weltgeschichte geschrieben hatten ?
P. Staub: Nein, absolut nicht! Alles dies wurde uns erst durch die vielen fragenden und fotografierenden Journalisten bewusst. Später folgten noch Rundfunkinterviews, welche uns in der unmittelbaren Zeit danach nicht zur Ruhe kommen ließen.
Paul, abschließend darf ich Ihnen einen Vorschlag machen.
Sie waren seit dem 25.04.1945 nie wieder in Torgau. Könnten Sie sich vorstellen, in Torgau eine kleine Ausstellung zu eröffnen, bei der Fotos von Paul Staub und der Elbebegegnung gezeigt werden?
P. Staub: Sie verstehen bitte, ich habe nur etwas mehr als zehn Fotos von der Elbebegegnung mit den Russen. Meinen Sie, die genügen für eine Ausstellung ?

   Patroille.jpg (82594 Byte)
Der Tag danach: Die legendäre Robertson-Patrouille am 26.04.1945
am Ufer der Elbe in Torgau. (v.l.n.r.) Frank Huff, James Mc Donnell, Bill Robertson, Paul Staub
Foto: Archiv Förderverein Europa Begegnungen

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© by Dr. Uwe Niedersen

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