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Torgau und die Kopplung der Raumschiffe Apollo und Sojus
Satelliten-Daten der NASA bestätigen Apollo-Sojus Flug über Torgau

Dem Förderverein Europa Begegnungen e.V. in Torgau war bekannt geworden, daß die NASA die Daten der Erdumlaufbahnen eines jeden Flugkörpers in Form von Bahnelementedateien für Satelliten archiviert. Über eine Beantragung erreichten wir den Datenzugang. Die gewünschten Bahnelementedaten des Apollo-Sojus Testprojekts (ASTP), wurden uns durch Mr. Kelso von CELESTRAK mitgeteilt, einer mit der NASA kooperierenden Institution. Um aus dem Datenspiegel von CELESTRAK die für Torgau wesentlichen Informationen herauslesen zu können, war das im Verein bereits erarbeitete Grundlagenwissen über das Apollo-Sojus Projekt wichtig.
Die Kontrollzentren des Apollo-Sojus Fluges von 1975 gaben damals bekannt, über welches geographische Gebiet das Koppeln der Raumschiffe geplant vollzogen werden sollte: Das russische Zentrum Kalinin, heute Koroljow, bei Moskau (MCC-M) erklärte während einer internationalen Pressekonferenz: "Das Andocken wird über Mitteleuropa stattfinden."; während Houston (MCC-H) bereits am 13. Juli 1975 in der NASA-Release Nr.75-66 informierte, "Apollo und Sojus docken gegen 11:15:00 CDT (Zentralamerikanische Zeit; Stunden:Minuten:Sekunden - U.N.) über Deutschland". (Sollte die CDT in Mitteleuropäische Zeit (MEZ) angegeben werden, so sind 6 Stunden hinzu zu addieren).
In dem Zusammenhang hatte der Verein Europa Begegnungen e.V. das Exemplar einer wichtigen Docking-Info von der NASA erhalten. Das NASA-Formular wurde von uns bereits im Amtsblatt des Landkreises Torgau-Oschatz Nr. 14/03 veröffentlicht.
Wir konnten somit unmittelbar auf die für Torgau wesentlichen Dateien der Umlaufbahnen von Apollo-Sojus am 17. Juli 1975 und zwar zwischen 11:00:00 und 14:30:00 CDT Bezug nehmen. Während dieser Zeit spielten sich die spannendsten Szenen der Kopplung und der Vereinigung der Crews beider Länder ab.
Es handelte sich im Wesentlichen um drei Umlaufbahnen, auf die wir uns zu konzentrieren hatten.
Da war erstens die Bahn, auf der die Kopplung erfolgte. Es schloß sich zweitens die Bahn an, auf der im Raumschiff der Zustand der nunmehr verbundenen Flugapparate stabilisiert und die Vorbereitungen für das Begegnen der Mannschaften eingeleitet wurde. Schließlich folgte drittens die Bahn, auf der der "himmlische Handschlag" zwischen Russen und Amerikaner im vordersten Sojus-Modul stattfand.
Apollo-Sojus umkreiste während des gesamten Testprojektes über mehrere Tage, vom 15.07 bis 21.07. (Sojus) und 24.07.1975 (Apollo), in einem ca. 1,5 Stunden Rhythmus, Höhe ca. 225 km, die Erde.
Aus den "nüchternen" Bahnpunkten von CELESTRAK, die jeweils die Umlaufbahnen beschreiben, war hinsichtlich einer direkten Beziehung zwischen Torgau, d.h. dem Überfliegen der Elberegion und einem Apollo-Sojus Rendezvous darüber, nichts zu entnehmen.

Es mußte gelingen, die Bahnelementedaten in Flugbahnen zu verwandeln, um damit Anschaulichkeit zu erreichen. Die Aufgabe lautete, die Bahnpunkte in Form von Umlaufbahnen auf eine geographische Karte zu projizieren. Tatsächlich konnte uns die Sternwarte Eilenburg mit einem Computerprogramm zum Abbilden von Satellitenbahnen unterstützen. Das Programm zeichnete uns die in der Abbildung (siehe unten) zu erkennenden Bahnen und zwar genau die drei für Torgau wesentlichen, eben die sich am 17.07.1975 über Mitteleuropa bzw. Deutschland spannten. Die Abbildung zeigt im besonderen ein Bahnenbündel mit jeweils einem aufsteigenden Ast, einem Scheitelpunkt und einem absteigenden Ast. Die Bahnen, d.h. deren auf- bzw. absteigende Äste, sind um jeweils ca. 22°, eine Weltkarte mit Längen- und Breitengraden unterlegt, auseinander.
Die erste Bahn (1), der Kopplungs-Orbit, verläuft über ein Gebiet etwas südlich von Torgau, hier auf einem leicht ansteigenden Ast. Die Raumschiffe waren über ein weiches Koppeln, 11:09:09 CDT und hartes Koppeln, 11:12:30 CDT, über der Torgau-Region gerade vereint, und es ging weiter mit ergänzenden technischen Arbeiten, die mit dem Docking power off (Ende des Andockens) 11:18:36 CDT abgeschlossen wurden. Ein angenommener Beobachter in Torgau konnte in einem Blickwinkel von 75° den Raumschiff-Verband um 11:15:27 CDT (stärkste Annäherung) deutlich sehen.

Nach ca. 90 Minuten Umlaufdauer spannte die zweite Bahn (2) direkt über Torgau. Der Blickwinkel des sogenannten Beobachters ging gegen 90°; d.h. Apollo-Sojus flog direkt über Torgau, also über die Köpfe eventueller Betrachter in der Stadt. Dabei zeigte die Uhr 12:47:59 CDT (18:47:59 MEZ). Genauere Recherchen zeigen, daß sich die zweite Bahn in unserer Region zwischen Torgau und Zwethau hinzog. Aus Torgauer Sicht gewissermaßen ein Volltreffer: Apollo-Sojus flog über das einstige historische Begegnungsgebiet; eben dort an der Elbe, wo sich am 25.04.1945 Russen und Amerikaner trafen. Diese beinahe punktuelle Genauigkeit muß allerdings, den Gesamtzusammenhang im Blick, als ballistisch zufällig angesehen werden.
Das Tonbandprotokoll von der Crew und der Kontrollzentren, den die Amerikaner für diese Situation zur Verfügung stellten, sagt aus, daß der Astronaut Slayton gerade über Torgau aus dem Kontrollzentrum Houston Anweisung erhielt, eine Photo-Apparatur zu installieren und einzustellen, welche für den unmittelbar bevorstehenden kosmischen Handschlag mit den Russen einzusetzen wäre.

Die dritte Bahn (3) ist mit ihrem absteigenden Ast deutlich südlich von Torgau entfernt im All verlaufen. Auf dieser Bahn wurden in dem gekoppelten Raumschiff die Luke 3 zu dem russischen Sojus-Modul geöffnet und hier um 14:19:26 CDT der "himmlische Handschlag" der beiden Kommander Leonow und Stafford vollzogen.
Es bleibt das für Torgau interessante Fazit:
Die Herangehensweise unter Nutzung der offiziellen Bahnelementedatei von Apollo-Sojus hat das, was wir an anderer Stelle (Amtsblatt des Landkreises Torgau-Oschatz Nr. 14/03 ) bereits eingebracht haben, bestätigt und in Teilen präzisiert. Damals hatten wir die drei Bahnen, als ein Bahnenbündel, d.h. aufgrund der Datenlage als eine Ganzheit betrachtet. Heute können wir in Torgau mit Freude und Stolz die bereits getroffene Aussage unterstreichen:
Am 17. Juli 1975 koppelten Apollo und Sojus auf Umlaufbahnen, die auch Torgau und die Elberegion überspannten.

Torgau wird mehr und mehr unverwechselbarer Standort für Ost-West Beziehungen. Haben wir hier vor Ort die Ressourcen, um in konzertierter Aktion etwas wirklich Bedeutendes zu gestalten?

ASTP3Bahnen.jpg (98070 Byte)
Drei für Torgau relevante Apollo-Sojus Erdumlaufbahnen;
Copyright: Gabriele Opitz, Europa Begegnungen e.V. und
Dieter Werner, Sternwarte Eilenburg
 

wpe130.jpg (16844 Byte)
Von der Elbe in den Orbit
Der Begegnung an der Elbe folgte mit der Kopplung von Apollo-Sojus der "himmlische Handschlag" über Torgau und der Elbe, der Elbe Day II: Hands across the sky, 17.07.1975. Hier Valeri Kubassow (Sojus), (l.) und Thomas Stafford (Apollo) im Docking-Modul, in dem auch gemeinsame wissenschaftliche Experimente ausgeführt wurden.
Foto: Archiv Dr. Uwe Niedersen


© by Dr. habil Uwe Niedersen

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