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Nun haben wir in Torgau gleich zwei wichtige Begegnungen
zwischen Russen und Amerikanern, eine an und eine über der Elbe.
Von einer Begegnung im Orbit über Torgau und der Elbe hatte wir ja schon seit
Jahren gehört und auch geahnt, daß da vielleicht einiges auf uns zukommen könnte.
Manche meinen, es schon immer gewußt zu haben, dann aber wohl nicht so richtig. Wir sind
der Angelegenheit auf den Grund gegangen.
Jetzt wissen wir es:
Am 17. Juli 1975, 14.19 Uhr und 26 Sekunden (14:19' 26'' CDT, Central Daylight Time); oder
in MEZ (Mitteleuropäischer Zeit), 20:19' 26'' reichten die Comander Thomas Stafford (USA)
und Alexej Leonow (Sowjetunion) im Weltraum innerhalb der zuvor gekoppelten Apollo-Sojus
Raumschiffe einander die Hände und riefen sich ein herzliches "Glad to see you"
entgegen.
Mit Handshakes ging es in dem Orbit über die Elbe bei Torgau, die Höhe war 225 km. Die
Raumschiffe hatten 3 Stunden zuvor etwa 800 km westlich von Portugal angedockt, danach die
Erde zweimal umkreist, bevor es dann zum historischen Handschlag kam. Das alles sind
Fakten, denn wir konnten in die folgenden Gesprächsprotokolle Einsicht nehmen:
Mission Commentary der NASA, HQ; Reg.Nr. MC 208/1-4 und in die des Johnson Space Center,
Houston; Reg.Nr. JSC-0996.6.
Hierbei handelt es sich um die aufgeschriebenen Tonbandmitschnitte aller Gespräche der
fünf beteiligten Raumfahrer untereinander sowie mit den Kontrollzentren (Cap Com) auf der
Erde.
Das Ergebnis: Es gibt einen Elbe Day II.
Wir werden einen Artikel abfassen der ausschließlich diese Zusammenhänge darlegen wird.
Wie man aus den neuen Fakten und der sich daraus ergebenden Symbolik eine gute Geschichte
für Torgau machen könnte, auch darüber soll zu einem etwas späteren Zeitpunkt
gesprochen werden. Aber freuen wir uns zunächst einmal über die Tatsache eines Elbe Day
II.
Wie fing das eigentlich an mit den ersten Hinweisen über die gekoppelten
Apollo-Sojus Raumkörper und Torgau? Welche war für uns die alles auslösende
"Ur-Information"?
Bei Filmaufnahmen von ARTE 1995 in Torgau zu der Dokumentation "Ein Frühling an der
Elbe" bemerkte der das Kamerateam beratende amerikanische Elbeveteran Dr. Delbert
Philpott, eher beiläufig, wie uns schien, daß er im Herbst 1975 an dem internationalen
Weltraumprojekt Cosmos 782 als Austauschprofessor in Moskau mitarbeiten durfte.
Es ging um biologische Experimente im All. Als unter den Wissenschaftlern aus acht
Ländern bekannt wurde, daß Dr. Philpott bei der Begegnung am Kriegsende in Torgau dabei
war, wurde noch eins darauf gesetzt und allgemein festgestellt, daß er doch nunmehr
gleich zweimal an russisch-amerikanische Begegnungen teilgenommen habe.
Tatsächlich wurde Dr. Philpott von der russischen Seite versichert, so teilte er
es dem Förderverein Europa Begegnungen e.V. vor einigen Wochen mit, daß die
Raumflugplaner des Apollo-Sojus Projektes einen solchen Orbit wählten, welcher die
Raumschiffe so nah wie möglich an den damaligen Geschehensort, Torgau an der Elbe,
heranführen sollte.
Darüber und über das Interesse praktisch aller Medien an der spektakulären
Apollo-Sojus-Kopplung vom Sommer 1975 erhielten wir auch von anderen Experten der
Raumfahrt wertvolle Informationen.
Wir besorgten uns sofort einige internationale Zeitungen aus jenen Tagen.
Und tatsächlich !
THE SUN, Baltimore (USA) titelte am 18. Juli 1975 mit: From the Elbe to Orbit (Von
der Elbe in den Orbit); die sowjetische Gewerkschaftszeitung TRUD kam ebenfalls am 18.Juli
1975 mit der Überschrift: Vstretcha nad Elboij (Begegnung über der Elbe); die Münchner
Süddeutsche Zeitung schrieb bereits am 10. Juli 1975 von einem (geplanten) "Zweiten
Treffen an der Elbe".
Im Juli 2000 veranstaltete die NASA in Houston, Texas eine große Feier anläßlich
des 25. Jahrestages des Apollo-Sojus Test Projektes (offiziell abgekürzt ASTP).
Der am Projekt als Apollo-Pilot direkt beteiligt Vance Brand würdigte bei der
Gelegenheit rückblickend die Geschehnisse: "Wir öffneten (mit Apollo-Sojus, U.N.)
einen Türspalt für die Gesprächsbereitschaft zwischen den Supermächten. Obgleich die
politische Situation alles andere als stabil war, investierten die Amerikaner und Russen
über zwei Jahre die Ausbildung der vorgesehenen Raumfahrer und gaben viel Geld aus für
die Entwicklung der Spezialapparaturen. Zwei Ziele wurden mit dem Projekt verfolgt, zum
einen wurde ein technisch ausgereiftes Andocksystem entwickelt, das heute noch beim
Koppeln an die Internationale Raumstation erfolgreich Anwendung findet und zum anderen
sollte in der Zeit des Kalten Krieges die Diplomatie zwischen den Gegenparteien verbessert
werden." (Übersetzung U.N.; NASA Dryden News Releases, 2000, 00-53).
Zurück zu Torgau und Apollo-Sojus.
Nächstes Jahr ist die für Torgau und für die Etablierung der Museumsvorhaben so
wichtige Sächsische Landesausstellung.
2005 haben wir dann 60 Jahre Elbe Day I und gleichzeitig 30 Jahre Elbe Day II, um
es auf eine Kurzformel zu bringen.
Nachtrag:
Gerade ist dieser kleine Bericht geschrieben worden und wir hören die schreckliche
Nachricht vom Absturz des Columbia-Shuttles und vom Tod der sieben Astronauten. Wir sind
erschüttert.
Unser Beileid gilt den Angehörigen; wir trauern mit Amerika.
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| Elbe Day I : Die Begegnung an der Elbe, 25. April 1945 | Elbe Day II : Die Begegnung über der Elbe, 17. Juli 1975 |
© by Dr. habil Uwe Niedersen