| Wirtschaft | Technik | Tradition |
Im ersten
Teil des Apollo-Sojus Aufsatzes legten wir unsere Forschungsergebnisse zur technischen
und ballistischen Seite des Weltraumprojekts vor.
Wir konnten zum einen herausfinden, daß die Erdumlaufbahn, der Orbit,
welcher durch die Raumschiffe durchflogen wurde, auch Torgau an der Elbe überwölbte.
Zum anderen konnten wir nachweisen, daß wichtige
Manöver von Apollo-Sojus wie das Koppeln sowie auch Momente der Begegnungszeremonien der
Commander Stafford und Leonow in den vereinten Raumschiffen erfolgten, als Torgau und die
Elbe passiert wurden.
Die "himmlische Begegnung" über Deutschland und über der historischen
Begegnungsregion von 1945 bei Torgau an der Elbe war somit von den Planern vorherbestimmt
worden.
Dafür können wir zwei weitere Belege liefern: Am 17. Juli 1975, 2:25 Uhr CDT
(Central Daylight Time = Zentralamerikanische Tageszeit), also einer Zeit die noch vor der
Kopplung der Raumschiffe lag, veranstaltete das Sowjetische Kontrollzentrum Kalinin (heute
Koroljow) bei Moskau (abgekürzt: MCC-M), mit internationalen Nachrichtenbüros eine
Pressekonferenz:
Frage: Die Skandinavische Telegraph Agentur
"Können Sie bitte spezifieren, wo das Andocken stattfinden wird ?
Ich habe verstanden, daß es nicht über Deutschland, sondern über dem Mittelmeer
stattfinden wird ? Spezifizieren Sie bitte."
MCC-M: "Das Andocken wird über Mitteleuropa stattfinden. Die Flugbahn der
Flug - wird nicht über das Mittelmeer führen."
(Bemerkung U. N.: Interessant ist die Frage des
Skandinaviers schon, denn gemäß einer privaten Mitteilung des Raumfahrt-Journalisten
Horst Hoffmann (Berlin) an uns flogen die Russen gewöhnlich über das Mittelmeer mit
ihren Raumschiffen zurück in Richtung Kasachische Steppe über der sie dann die Kapsel
mit den Kosmonauten mittels Fallschirm landen ließen. So war das übrigens auch damals,
1961, beim Rückflug von Jurij Gagarin, dem ersten Menschen im All.
Frage: Agentur Nachtshakadchad Ungarn: "Können Sie uns ungefähr sagen, wo
der Orbit Europa überqueren wird ? Ungefähr welche Länder, welche Städte?"
MCC-M "Das kann ich Ihnen nicht exakt sagen, weil es möglicherweise leichte
Änderungen geben könnte, aber das wird mehr oder weniger exakt etwa 2 Stunden vor dem
Andocken beantwortbar sein. Da werden die Schiffe (den Raum) Mitteleuropa berühren
(weiches und hartes Koppeln - U.N.) und sie werden über der Ukraine hermetisch versiegelt
sein (docking power off (Abschluß der Kopplung) - U.N.)." Zitiert
nach: ASTP (USSR) Press Conference SR 46/2
Die Amerikaner ließen ebenfalls und zwar schon am 13. Juli
1975 durch den Chefkommunikator Milton Reims in Houston der Öffentlichkeit
mitteilen:
"Apollo und Sojus werden sich am 17. Juli zum gegenseitigen Rendezvous
einstellen, das Andocken wird gegen 11:15 p.m. CDT über Deutschland
stattfinden."
Zitiert nach: NASA, Lyndon B. Johnson Space Center (JSC) Houston. Texas 77068;
AC713 483-5111, RELEASE NO: 75-66
Technisch-ballistisch lief also alles so wie geplant ab, d.h.
der zuvor bestimmte Orbit über Torgau wurde durch den Flug über die Elbestadt genauso
realisiert. Schwieriger wird die Antwort, wenn wir mit unserer Frage direkt auf des Pudels
Kern zielen:
Wollten die Politiker beider Seiten noch einmal das historische Torgau-Symbol
von 1945 bemühen, d.h. der Weltöffentlichkeit ein Bild vorlegen, auf dem im Weltall sich
die Hände reichende Raumfahrer zu sehen wären, die in gesuchter Analogie zu den sich in
den Armen liegenden russischen und amerikanischen Frontsoldaten von der Elbe zu stellen
seien ?
Warum mit dem Torgau-Symbol die Pferde, die schon so schön
galoppierten und in gänzlicher Eintracht den gemeinsamen Wagen auf der guten, ebenen
"Straße der Entspannung" zogen, durch ein zusätzliches (übermütiges)
Peitschenknallen kopfscheu machen?
Das es politische, diplomatische Interessen beim Apollo-Sojus Test Projekt gab, ist
absolut unumstritten. In der Raumfahrttechnik und in der Politik war relativ unabhängig
voneinander das Bedürfnis nach Zusammenarbeit erwachsen, über ideologische Grenzen und
menschliche Vorurteile hinweg.
In der Technik war die Frage nach einem funktionstüchtigen Kopplungsstandard für
das Zusammenfügen von Raumschiffen bzw. Modulen zu beantworten, trotz verschiedener
Konstruktionsrichtungen, die die russischen und amerikanischen Raumfahrtschulen
eingeschlagen hatten. Das Koppeln war die Voraussetzung, um Module zu einer
internationalen Raumstation zusammenstecken zu können. Das langfristige Betreiben von
internationalen Raumstationen ist, wie wir heute wissen, wiederum die Voraussetzung für
Langzeitflüge. Nach dem Betreten des Mondes durch den Amerikaner Neil A. Armstrong am
21.7. 1969 war ein Wille: "Der Flug zum Mars!" als Engramm in den Köpfen der
tollkühnen Männer der Raumfahrt eingebrannt.
Außerdem konnte man durch Ankoppeln an einer nach Havarie defekten Raumapparatur, die dortigen Mannschaften in das eigene (Rettungs-)Raumschiff holen.
Auch in der Politik und Diplomatie war das Bedürfnis nach Entspannung und Einläuten einer Phase von politischem Tauwetter unübersehbar.
Mit der vorher hochkochenden Kuba-Krise war die Menschheit an einem Atomkrieg geradeso vorbeigeschrammt. Der Schreck, kurz vor dem Auslöschen der menschlichen Zivilisation gestanden zu haben, steckte den politisch Verantwortlichen noch "in den Knochen". Jetzt brauchte der fast außer Kontrolle geratene "Kalte Krieg" so eine Art "Waffenstillstandsabkommen". Was ja dann über SALT und der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im August 1975 auch erreicht wurde. Diverse Verletzungen dieses "Waffenstillstandes" gab es freilich zuhauf. Diplomaten und Chefideologen fanden hierbei ihr jeweiliges Betätigungsfeld. Wir alle lebten damit.
So kam es nicht von ungefähr, daß bereits Kennedy und Chruschtschow 1961 eine Zusammenarbeit beider Mächte beim Flug zum Mars ins Auge faßten. (vgl. Sergej Chruschtschow, Die Geburt einer Supermacht, ein Buch über meinen Vater, Übersetzung ins Deutsche: Verlagsdirektor Rudolf Meier, Klitzschen, Kreis Torgau-Oschatz).
Auch im unerbittlichen Wettbewerb auf dem Gebiet der Raumfahrttechnik hatten beide Staaten gepunktet: Die Amerikaner gewannen den Wettlauf zum Mond. Die Russen hatten mit der Saljut-Apparatur einen Vorsprung beim Bau von zukünftigen Raumstationen; der Höhepunkt war die russische MIR, die von 1986 bis 2001 im All war und manchen amerikanischen Fachmann in ein permanentes Staunen versetzte.
Jeder hatte technisch real etwas zu bieten, worüber der
andere nicht verfügte. Eine hervorragende Ausgangssituation, endlich die Kooperation im
Weltraum einzuläuten.
Wir wollen folgend auf die oben gestellte Frage nach einer Analogie zwischen dem
historischen Torgau-Symbol und der Apollo-Sojus-Mission nach Antworten suchen. Um uns den
nötigen Überblick zu verschaffen, gehen wir analytisch vor, d.h. wir systematisieren
unter all den Beteiligten und benennen jeweils die Gruppen, die direkt oder indirekt mit
dem Apollo-Sojus Test Projekt irgendwie in Verbindung standen.
Da ist erstens die Gruppe der von Weltanschauungen relativ wertfrei arbeitenden Techniker, Ballistiker, Raumfahrtverantwortlichen beider Seiten; da sind weiter zweitens die direkt beteiligten Amerikaner und die drittens zumindest indirekt mit betroffene Bundesrepublik Deutschland; um der Symmetrie gerecht zu werden sind viertens die damaligen Sowjets und fünftens die DDR anzuführen; schließlich seien sechstens die im Allgemeinen abseitig von der offiziellen Politik operierenden Basis- oder Bürgergruppen und die Friedensbewegung in Ost und West zu berücksichtigen.
Diese deutlich heterogene Falance gilt es folgend im Pro und Kontra zum historischen Torgau-Symbol in Verbindung mit der Apollo-Sojus-Mission abzuarbeiten.
Erstens: Die Raumfahrttechniker und das Torgau-Symbol
Wir haben zu unserem Problem den deutschen Raumfahrtspezialisten Prof. Heinz-Hermann Koelle, Berlin, telefonisch am 27.1. 2003 befragt. Koelle war 10 Jahre Mitarbeiter im Wernher von Braun Team, im Raketenforschungszentrum Huntsville, USA; später, 1965, erhielt er die Professur für Raumfahrt an der TU Berlin. Seine Antwort: Bei jedem Raumfahrtprojekt wird immer und zwar prinzipiell die technologische bzw. sicherheitstechnische Seite in das Zentrum gerückt. Nicht der unbedingte Orbit, der Flug über die so historische Begegnungsstadt Torgau wäre das Erstrebenswerte bei Apollo-Sojus gewesen, sondern eine funktionierende Technik und zwar in jeder Phase des Flugs.
Geplant war, so Koelles Antwort, eine Umlaufbahn zu finden, die eine maximale Kommunikation zwischen den Flugapparaten oben und den Kontrollzentren (Cap Comm) unten gewährleistete. Bei Apollo-Sojus wäre das mit 60 % kommunikativer Auslastung pro Umlaufbahn bereits erfreulich hoch gewesen.
Rudolf Meier befragte Boris E. Tschertok, einen der wichtigsten Techniker im einstigen Mitarbeiterstab Sergej P. Koroljows, im März 2002 in Moskau zum gleichen Problem. Die Erläuterungen waren denen von Prof. Koelle im Prinzip identisch. Einmal Techniker immer Techniker !
Zweitens: Amerika und das Torgau-Symbol
Der ehemalige Torgauer Elbe-Veteran von 1945 und spätere
NASA-Wissenschaftler Prof. Delbert E. Philpott machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl
als er schrieb: "Leider machten unsere (die amerikanischen U.N.) Pressemedien
wenig Werbung für die Bedeutung des Symbols und den historischen Ort (Torgau U.N.)
dieser denkwürdigen Tat (der Apollo-Sojus-Kopplung U.N.) ", zitiert nach
"Down by the Riverside Die Botschaft von der Elbe", Günter Schöne,
Delbert Philpott, Uwe Niedersen (Hrsg.), Leipzig 1995, S.123-24.
Eine rühmliche Ausnahme bildete hierbei THE SUN (Baltimore, USA), die einen Tag
nach der Kopplung, am 18.7. 1975 mit "Von der Elbe in den Orbit" titelte
und sich in einem Artikel ausführlich über das historische Torgau-Symbol in Analogie zum
Gipfeltreffen im Weltall äußerte (s. Abb. 1).
Wie das offizielle Amerika dachte, erfahren wir von Vernon A. Walters,
amerikanischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland zur Zeit der Wende (siehe
Abb. 2). Egon Bahr schreibt in seinen Memoiren, daß er ihm einmal vorgeschlagen habe,
jeweils im April durch offizielle Beteiligung den Jahrestag der Begegnung herauszuheben,
dem Tag, an dem sich Amerikaner und Sowjets 1945 in Torgau begegneten. "Kalt und
schlau dachte er (Vernon Walters U.N.) ein paar Sekunden nach. Das sei keine gute
Idee, denn es wäre nicht gut, die Deutschen an ihre Niederlage zu erinnern."
Zitiert nach: Egon Bahr, "Zu meiner Zeit", 3. Auflage München 1996, S. 570.
Drittens: Die Bundesrepublik Deutschland und das Torgau-Symbol
Die Position gleicht der Amerikas. Eine ökonomisch bereits wieder starke Bundesrepublik, die als souveränes Land einen Monat nach dem Apollo-Sojus Flug die Helsinki-Schlußakte unterzeichnen sollte (wie auch die DDR), wollte man nicht mit der Anspielung an eine deutsche Niederlage von vor 30 Jahren kommen. Lediglich die Süddeutsche Zeitung berichtete mit Foto bereits am 10. August 1975 über ein "geplantes zweites Treffen über der Elbe".
Viertens: Die Sowjetunion und das Torgau-Symbol
Hier liegen die Dinge etwas anders. Der o.g. Delbert Philpott
hat dem Förderverein Europa Begegnungen e.V. in einem Brief versichert, daß man ihm
während seines wissenschaftlichen Gastaufenthaltes gelegentlich des gemeinsamen
Cosmos-Projektes im Herbst 1975 in Moskau glaubhaft versichert hat, daß die sowjetische
Seite die amerikanische Raumfahrtkollegen darum gebeten hatten (oder diese zumindest
darauf aufmerksam machten), die Ballistik des Fluges von Apollo-Sojus, bei gleichzeitiger
Berücksichtigung aller sicherheitstechnischen Faktoren, so vorher zu planen, daß
möglichst deutlich die historische Region Torgau überflogen werden könne (Brief von D.
Philpott vom 7.12. 2002, in: Archiv Förderverein Europa Begegnungen e.V.)
Eine ähnliche Aussage traf Rudolf Meier, Klitzschen, im Mai 2003 uns gegenüber.
Während Filmaufnahmen zur Raumfahrt durch den MDR hielt er sich mit einem Kamerateam in
Baikonur auf und befragte in Moskau Jurij Salnikow zu unserem Problem. Salnikow ist der
bedeutendste russische Raumfahrtjournalist, er begleitete seinerzeit auch das Apollo-Sojus
Projekt. Dieser Journalist unterstrich gegenüber R. Meier ausdrücklich, daß bei der
Festlegung der Ballistik Torgau eine Rolle gespielt habe. Salnikow könne das durch ein
damals erstelltes Video und durch Dokumente belegen.
Was sowjetische Zeitungen aus jener Zeit berichteten, war bezüglich des
historischen Torgau-Symbols mehr als bescheiden. Nach unseren Informationen hat lediglich
die sowjetische Gewerkschaftszeitung TRUD in einem Artikel vom 18.7. 1975, betitelt mit "Treffen
über der Elbe" (siehe Abb. 3), mit einem einzigen Satz auf den Überflug Torgaus
hingewiesen.
Fünftens: Die DDR und das Torgau-Symbol
Die DDR als Musterschüler der Sowjetunion folgte dieser
natürlich. In der zwar groß angelegten Berichterstattung über die Apollo-Sojus Mission
ist auch nicht durch eine Zeile die Begegnungsstadt Torgau genannt. Keine "Junge
Welt", "Neues Deutschland", "Wochenpost", keine Illustrierte,
kein Funk und Fernsehen berichteten über die Weltraum-Begegnung über der Elbe.
Horst Hoffmann (Berlin) und Gerhard Kowalski (Berlin) waren die DDR-Journalisten
für das Gebiet Raumfahrt. Beide versicherten uns, damals keinerlei Informationen zu
diesem Aspekt erhalten zu haben. Warum kamen sie selbst nicht darauf ? Oder durften sie
nicht auf Torgau kommen ? Auf unsere Frage, warum es aber einige ihrer journalistischen
Kollegen in München, Moskau, Baltimore taten, meinten sie, die hätten das durch eigenes
Zutun und Interesse an der jüngeren Geschichte getan; für DDR-Journalisten wären
Alleingänge ganz unmöglich gewesen. Worin sie wohl recht haben.
Sechstens: Internationale Friedensaktivisten, Bürgerbewegungen und das Torgau-Symbol
Wenn wir an die Bürgerrechtler und Friedensaktivisten, an
Joseph Polowsky, Friedrich Schorlemmer, an Studs Terkel und andere denken, dann war für
sie das Torgau-Symbol, der Friedensschwur auf den Elbwiesen von 1945 Inhalt vieler großer
Friednsaktionen, ja Sinnbild und Instrumentarium, die Menschen in der Zeit des Kalten
Krieges wachzurütteln, sie zu motivieren.
Von Aktivitäten pro Raumfahrt und historischem Torgau-Symbol, ausgelöst durch
Bürgergruppen und internationaler Friedensbewegung, kann jedoch keine Rede sein. Selbst
der vielseitige und unermüdliche Friedensaktivist Joseph Polowsky geht bei seinem
ureigensten Thema nicht auf die Gemeinsamkeiten des Händedrucks an und über der Elbe
ein.
Ist das bisher Gesagte nicht eine ernüchternde Bilanz ! ?
Zu Wort kommen lassen wir aber abschließend noch die Mannschaften von
Apollo-Sojus zu dem politischen Aspekt ihrer Mission, und zwar äußerten sie sich
während einer Pressekonferenz direkt aus dem All:
Commander Thomas Stafford (USA): "Gestern, als ich erstmals die Luke öffnete
und Valerij und Alexej Hallo sagte, machte ich mir ein paar Gedanken. Die Gedanken waren,
daß wir, als wir die Luke im All öffneten, wir damit zugleich auf der Erde eine neue
Ära in der Geschichte der Menschheit eröffneten. Wie diese neue Ära verlaufen wird,
wird von der Entschlossenheit, der Ernsthaftigkeit und der Bereitschaft der beiden
Völker, der beiden Länder und der ganzen Welt abhängig sein. Ich bin sicher, die
Zukunft wird Gutes erbringen."
Commander Alexej Leonow (UdSSR): "Die Vertreter der beiden Länder führen den
gemeinsamen sowjetisch-amerikanischen Flug durch, weil unsere Völker und Regierungen im
Geist der Kooperation zusammenarbeiten wollen, weil eine Menge Experten in Amerika und der
Sowjetunion eine große Leistung vollbracht haben, um diesen Flug zu verwirklichen. Diese
Arbeit wurde möglich im Klima der Entspannung und der Entwicklung der Beziehungen
zwischen unseren Ländern. Das geschieht, weil es ein wichtiger Schritt auf der endlosen
Straße der friedlichen Weltraumerforschung sein muß, eingebunden die gemeinsamen
Anstrengungen der ganzen Menschheit."
Zitiert nach: NASA, ASTP Press Conference; MC 284/2 ; Time: 12:23 CDT, 18.7. 1975
Der Versuch eines Resümees
Fassen wir kurz zusammen : Zum einen war geplant über die historische
Begegnungsstadt Torgau an der Elbe geflogen worden, zum anderen war das historische
Torgau-Symbol von damals weder bei offiziellen Darlegungen noch medienpolitisch
hervorgehoben eingesetzt worden.
Warum diese Torgau-Symbol Abstinenz ?
Die Antwort darauf liegt irgendwo zwischen der Aussage, daß man die Deutschen
nicht jährlich an eine Niederlage erinnern wolle und dem diplomatischen Prinzip, daß in
einer gut laufenden Phase der Entspannung nicht noch zusätzlich ein gemeinsames
historisches Symbol zur weiteren Ausschmückung des an sich schon hinreichend Dekorierten
bemüht werden müsse.
Diese, unsere Antwort ist ziemlich allgemein ausgefallen. Wagen wir den Versuch,
noch etwas tiefer einzudringen. Beginnen wir mit der Feststellung, daß von den sechs oben
genannten unterschiedlichen Interessensgruppen eine entsprechend unterschiedliche Deutung
des historischen Torgau-Symbols vorgenommen wurde:
Die Deutungen und der Gebrauch des historischen
Torgau-Symbols gemäß der Punkte 1. und 2. werden je nach Interessenslage und Situation
partiell vorzunehmen sein. Denken wir an die Worte des amerikanischen Botschafters Vernon
A. Walters, das historische Torgau-Ereignis, weil jenem das komplizierte Moment des
Kriegsausgangs anhaftet, nicht zu strapazieren.
Konzentrieren wir uns auf den Inhalt des Torgau-Symbols, welcher durch die Punkte 3. und
4. zum Ausdruck gebracht wird, nämlich die Torgau-Begegnung mit der Friedensbotschaft zu
verknüpfen.
Ist es nicht eine Freude, genau diese Symbolik in den Statements der Raumfahrer
während der Pressekonferenz aus dem All (siehe oben) wiederzufinden. Bleiben wir hier in
Torgau konsequent und unbeirrbar bei der Botschaft von der Elbe: "Die Völker der
Welt müssen in Frieden leben!" Das ist das Torgau-Symbol, welches während der
Begegnungen an und über der Elbe in Erscheinung trat. Es ist dieses Symbol,
das unserer Stadt Sympathie verleiht.
Auf das unverwechselbare Profil, auf die Originalität der beiden Begegnungen und
der Friedensbotschaft können wir hier in Torgau stolz sein.
![]() |
|
|
| Abb. 1: USA-Präsident Ford und
Generalsekretär Breschnjew beim Händedruck im Kopplungsmodul zwischen Apollo und
Sojus.Der Karikaturist meint ironisch: Die Politiker vermeiden es, direkt auf der Erde
gute Verträge abzuschließen. Sie fliegen in den Weltraum, um es (umständlich) dort zu
tun. Archiv: Förderverein Europa Begegnungen e.V. |
Abb. 2: Vernon A. Walters (1917-2002) Er und ein Kollege besuchten 1948 im völlig zerbombten Essen eine deutsche Familie; der andere zu ihm: "Haben Sie gesehen, was die deutsche Familie auf dem Tisch hatte ? Eine Schale mit Blumen. Sie wissen, daß es jetzt keinen Blumenladen gibt. Die Leute haben die Blumen gepflückt inmitten dieser Verwüstung. Ein Volk, das Blumen pflückt und auf den Tisch stellt, wird alles wieder aufbauen". Das tat es, und Walters Sympathie für Deutschland wurde fortan stärker und stärker. Archiv: Förderverein Europa Begegnungen e.V. |
Abb. 3 "Treffen über der Elbe", die
Zeitung TRUD mit "historischem Gedächtnis". Archiv: Förderverein Europa Begegnungen e.V. |
© by Dr. habil Uwe Niedersen